|CampusFM Musik|
|Der "klingt anders" Mix für Duisburg und Essen|

|Konzert: Seabear -01.3.2010 Steinbruch, Duisburg|

Jessica Maranon

Während wir vergebens auf die Ankunft des Frühlings warten, schleicht sich bei uns daheim erneut der Winter ein und lässt uns das Frühlingserwachen mehr als ein Traumbild erscheinen als die nächste weiße Weihnacht. Doch statt still und schmollend abzuwarten, bis unsere eingefrorenen Gliedmaßen wieder vor lauter Ärgernis darüber auftauen, machen wir doch einfach das Beste aus dieser Jahreszeit und genießen die zum Winter passenden Klänge. Einige, denen diese Idee schon zuvor gekommen ist, machten sich am 01. März auf ins Café Steinbruch, um den nordischen Melodien der Senkrechtstarter Seabear und ihrer Vorband Hudson Wayne zu lauschen.

Das einladende und gemütliche Lokal nahe des Duisburger Campus kann sich nicht über einen Mangel an Gästen beklagen. Ein sehr gemischtes Publikum, das von Studenten über Indie-Fans bis selbst zu einer isländischen Seniorin reicht, tummelt sich zunächst im Café, wo es ungeduldig auf den Beginn des Konzertes wartet.
Als die Vorband Hudson Wayne spielt, ist der Konzertsaal nur mäßig gefüllt. Die Band eröffnet das Konzert in dunkler Atmosphäre, nur von ein wenig kaltem Licht beschienen, mit sanften Akkorden und melancholischen Klängen. Obwohl die Band, die ihren Stil selbst als Altern-Country Pop/Rock bezeichnet, schon seit 2002 besteht, hat sie sich bisher noch keinen Namen gemacht und gilt als Newcomer. Somit wartet man gespannt auf die erste Wirkung ihrer Musik. Der Anfang zieht sich schleppend fort, der erste Song ihrer Setlist heißt „Coffee“, doch die einzige Assoziation, die mir zu Beginn dazu einfällt, ist die, das die Band vielleicht ein wenig mehr davon vertragen könnte. Der Song wird ermüdend, drückend, langweilig und wenig abwechslungsreich. Es könnte daran liegen, dass das Publikum sich erst an den Sound der Band gewöhnen und sich in die richtige Stimmung bringen muss. Hudson Wayne werden warm und die darauffolgenden Songs sind von einem größeren Elan geprägt, rockiger, die Stimme des Sängers wird zunehmend kraftvoller. Es folgt eine bunte Mischung aus Songs, die wieder mehr in die Richtung Folk gehen, wie „Take A Break“, schnelleren Midtempo-Nummern und schwermütigen Songs wie der letzte der Setlist, der sich jedoch noch mal in einem ansteigenden Finale erhebt und Eindruck hinterlässt. Insgesamt täte der Band mit Sicherheit ein wenig Abwechslung in den Akkorden und Melodien gut, doch live überzeugen sie mehr als auf Platte.
Nach einer kurzen Umbaupause geht es mit dem Hauptact weiter. Die Sieben-Köpfige Band, die sich rund um Sänger Sindri Már Sigfússon aus einem Ein-Mann-Projekt entwickelt hat, gibt direkt zu Anfang Songs aus ihrem neuen Album We built a fire zum Besten. Die Songs klingen wesentlich rockiger als ältere Nummern, die mehr in Richtung Folk/Country gingen und zeigen spätestens mit der Single I Build You A Fire eine starke Tendenz zum Indie Rock/Pop. Sindris Stimme, die von Natur aus energiegeladen ist, fügt sich viel besser in den neuen Sound der Band. Doch Seabear wollen auch alte Fans an dem heutigen Abend nicht enttäuschen und haben natürlich auch ältere Songs mit in den Koffer gepackt und auf die Bühne gebracht. Die Band scheint sehr in ihren Elementen aufzugehen, klassische Gitarrenklänge wechseln sich mit atmosphärischen Keyboardsounds und harmonischen Violinenmelodien ab. Selbst innerhalb der Songs herrscht Abwechslung, wie es das extremste Beispiel von dem neuen Song „Leaf Mask“ zeigt. Es wechseln sich ruhige Parts á la James Blunt oder Snow Patrol mit elanvollen Passagen ab, die von kraftvollem Gesang geprägt sind, der teilweise sogar ein bisschen an Billy Corgan von den Smashing Pumpkins erinnert. „We Fell Off the Roof“, ebenfalls ein neuer Song, beginnt wiederum sehr verträumt, so wie man Seabear kennt. Er wird von einem glockenspielartigen Intro, gefolgt von Violinenstreichern, eröffnet und geht in einen überraschenden Wechsel mit einem schnelleren Schlagzeugeinsatz und stärkeren Basslauf über. „Fire Dies Down“ beginnt mit einem sehr schönen, melancholischen Gitarrenintro und traurigen Violinen, die den nachdenklichen Gesang untermalen. Auch hier findet ein Umbruch statt, das Tempo steigt und der Song wird rockiger, sodass von Monotonie weit und breit nichts zu hören ist. „Wolfboy“ könnte wohl als die Diskonummer der Isländer bezeichnet werden. Zum Abschluss gibt es noch ein überraschendes Sahnebonbon für die Konzertbesucher des Café Steinbruch. Statt wie erwartet ihr berühmtes Undertone-Cover von „Teenage Kicks“ zum Besten zu geben, covert die Band Chris Isaaks großen Hit „Wicked Game“ zur Zugabe in isländischer Manier, garniert von Violinenklängen. Insgesamt überzeugen Seabear live mit ihrer Perfomance, die das Publikum mitreißt, ihrem isländischen Witz und natürlichem Charme.